Diese Webseite verwendet Google Analytics zur Erfassung von Statistik-Daten in anonymisierter Form. Ein Personenbezug kann nicht hergestellt werden. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Zustimmen Ablehnen

Eingefahrene Gedankenbahnen

Das Denken des Menschen bewegt sich meist in stark eingefahrenen Bahnen, die man sich so vorstellen kann, wie Hauptstraßen, auf die sich der Verkehr konzentriert. Das aber wird der Aufgabe des Denkens an vielen Stellen nicht gerecht. Aufgabe des Denkens ist es, die den Menschen umgebende Realität möglichst präzise zu verstehen, um dem Menschen auf der Grundlage des so erworbenen Wissens ein möglichst erfolgreiches Verhalten zu ermöglichen.

Im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie sind die eingefahrenen Bahnen die Religion mit der Schöpfungsgeschichte auf der einen Seite und der Evolutionstheorie auf der anderen Seite. Die Evolutionstheorie steht der Schöpfungsgeschichte gegenüber. Sie soll die Schöpfungsgeschichte auf wissenschaftliche Weise widerlegen bzw. ersetzen.

Nun ist es aber so: Sowohl die Schöpfungsgeschichte als auch Evolutionstheorie sind beides nur zwei unbewiesene Geschichten von unermesslich vielen noch anderen denkbaren Geschichten. Das heißt, es handelt sich um zwei eingefahrene Bahnen des Denkens inmitten eines riesigen unerschlossenen Gebietes, in das sich das Denken aber nicht hineintraut.

Immer wenn etwas gegen eine der beiden Geschichten zu sprechen scheint, springt das Denken sofort in die andere Bahn und ignoriert den riesigen Bereich weiterer theoretischer Möglichkeiten. Es findet keine sinnvolle Differenzierung statt. Die eine Theorie wird als Ganzes der anderen Theorie gegenübergestellt, anstatt dass man beide Theorien mal Teil für Teil auseinandernimmt und dann differenziert betrachtet.

(Eigentlich gehört das noch in das Kapitel “unpräzises Denken”, aber ich habe es in ein eigenes Kapitel ausgekoppelt, weil es ein etwas umfangreicheres Thema ist.)

Damit verbunden sind eine Reihe von Kommunikationsmustern, die dazu führen, dass sich die ganze Diskussion um richtig und falsch völlig sinnlos im Kreis dreht. Zum Beispiel hat die Evolutionstheorie schlüssig gezeigt und zwar tatsächlich auch rein aus dem beobachteten, belastbaren Teil, dass die Arten nicht in der heutigen Form bereits direkt erschaffen wurden und seitdem unverändert existieren. In diesem Teilaspekt hat die Evolutionstheorie eine bestimmte Annahme der Religion klar und unzweideutig widerlegt.

Aber dieser eine Punkt wird dann benutzt,

Wenn man die Schlussfolgerungen und Argumentationen der aktuellen Diskussion der beiden Lager mal in die Sprache der Logik übersetzt, dann wird schnell offensichtlich, um was für einen Blödsinn es sich handelt:

“Weil die eine Idee meiner Theorie richtig ist und die eine Idee deiner Theorie falsch, sind auch alle anderen Ideen meiner Theorie richtig und alle anderen Ideen deiner Theorie falsch.”

Oder ein anderes beliebtes Argumentationsschema ist auch folgendes:

“Weil sich die Existenz eines Schöpfers nicht beweisen lässt, muss diese Erklärung (Evolutionstheorie) richtig sein.”

Die Seite der Wissenschaft reitet auf den Nachweis-Defiziten der Religion herum, um von den Mängeln der eigenen Erklärung abzulenken.

Der grundlegende Fehler beider Seiten liegt darin, dass beide Seiten unfähig sind, Unwissenheit klar einzugestehen, sondern stattdessen versuchen, einen Absolutheitsanspruch anzumelden. Ja, sie haben richtig gelesen: Es wird immerzu der religiösen Seite vorgeworfen, einen Absolutheitsanspruch zu stellen, aber die Wissenschaft tut auf ihre Weise genau das Gleiche. Es hat sich nur noch nicht so durchgesetzt, das Offensichtliche auch klar zu sehen.

Und während sich die Diskussion auf diese Weise immer weiter im Kreis dreht, wird die ganze Zeit übersehen, dass die eigentlich wichtige Frage eine ganz andere ist, nämlich:

Was ist die Triebfeder der Evolution? Was treibt die Evolution an?

Die Evolutionstheorie behauptet, das seien zufällige Veränderungen des Erbmaterials. Und diese Annahme ist klar und offensichtlich falsch.

Und damit stehen wir wieder an einem Anfang – am Anfang aller Erkenntnis: dem Eingeständnis der eigenen Unwissenheit: “Ich weiß, dass ich nicht weiß” Das ist die Voraussetzung für echte Erkenntnis. Wer glaubt, er wüsste schon, hört auf zu suchen.

nächstes Kapitel: Wissenschaftsideologie